Es geht schnell: Einen durchschnittlichen Vortrag vergisst das Publikum schneller, als Fruchtfliegen am Obst naschen können. Und schon steht der nächste Redner vorn, die Kaffeepause überlagert alles oder die nächste Mail wird geschrieben.
Es gibt gute Gründe dafür, dass manche Vorträge im Gedächtnis bleiben und die meisten anderen nicht. Barbara Messer und ich haben sie in unserem Buch „Wissen, das zündet – Der letzte langweilige Vortrag“ zusammengetragen. Es ist am 17. September 2026 bei BusinessVillage erschienen und richtet sich an alle, die in Wissenschaft und Business präsentieren. Im Mittelpunkt stehen sieben Wirkhebel, also Stellschrauben, an denen sich entscheidet, ob ein Vortrag zündet oder verpufft.
Das Wichtigste hier in aller Kürze:
- Vorträge scheitern selten am Inhalt, sondern am fehlenden Mut zu Dramaturgie, Bedeutung und Persönlichkeit.
- Das Buch beschreibt sieben Wirkhebel, von der Wahl des Vortragsformats bis zu konkreten Regieanweisungen für die passende Dramaturgie im Vortrag.
- Es stellt 18 Vortragsformate vor, darunter die Business-Präsentation, Science Pitch, Science Slam, Disputation und Keynote.
- Eine digitale Playbox mit zusätzlichen Beispielen und Tipps ergänzt das Buch.
Forscherin oder Führungskraft: Warum sich Präsentationsfehler überall wiederholen
Was haben eine Forscherin auf der Fachtagung und ein Abteilungsleiter im Quartalsmeeting gemeinsam? Erstaunlich oft die gleichen Fehler.
Da steht jemand vorn, der seine Kernbotschaft nicht in einem Satz sagen kann. Die PowerPoint-Slide ist noch sichtbar, obwohl seit zehn Minuten über ein ganz anderes Thema gesprochen wird. Statt Klartext gibt es Floskeln oder komplexe Inhalte, die kaum jemand versteht. Was Barbara und ich seit vielen Jahren hören: „Das Thema ist halt trocken. Das kann man nicht anders präsentieren. Wir müssen sachlich bleiben.“
Doch, es geht anders. Und wir sollten auf dem Schirm haben, wie wir unser Publikum abholen können.
Es gibt keine trockenen Themen – nur trocken erzählte. Ich komme aus der Wissenschaft, der Paläopedologie, also der Erforschung von Böden, die es schon seit der letzten Eiszeit oder länger gibt. Heute kann ich über mein Spezialthema, die „Bodenchronosequenzen auf marinen Terrassen in Süditalien“, spannend erzählen. Das geht genauso mit dem Quartalsbericht, dem Forschungsantrag und der Produktvorstellung.
Vorträge scheitern nicht am Inhalt, sondern an fehlendem Mut
Die meisten Vorträge scheitern nicht an dem, was im Vortrag steckt. Sie scheitern an fehlendem Mut: dem Mut, ein Risiko einzugehen, dem Mut, Bedeutung herzustellen, statt nur Daten zu zeigen, und dem Mut, sich selbst sichtbar zu machen. Oder anders: Durchschnitt ist bequem, denn die Komfortzone fürchtet fast niemand. Allein: Die Komfortzone landet selten beim Publikum.
Unser Buch „Wissen, das zündet“ ist deshalb kein weiterer Ratgeber mit zehn Tipps für bessere PowerPoint-Slides. Es ist eine Einladung zum Risiko, mit Dramaturgie, Inszenierung und Leidenschaft. Unsere sieben Wirkhebel zeigen, wo sich Risiko doch noch lohnt.
Die sieben Wirkhebel für Vorträge, die wirken
1. Das passende Vortragsformat wählen: »Es ist nie nur ein Vortrag«
Bevor du an Slides, den Einstieg oder deine Pointe denkst, stell dir zwei Fragen: Welches Ziel hast du mit deiner Rede? Wer sitzt warum in deinem Publikum?
Jeder Vortrag ist einzigartig. Eine Business-Präsentation folgt anderen Regeln als die Disputation bzw. Verteidigung deiner Doktorarbeit, ein Science Slam ist keine Keynote. Du bekommst einen kompakten Überblick mit einer Landkarte der Vortragsformate, von der Posterpräsentation über den Science Pitch bis zur Fuckup Night. Wer die Regeln seines Formats kennt, kann sie bewusst einsetzen und natürlich auch bewusst brechen.
2. Typische Präsentationsfehler vermeiden: »Erst einmal Kinderkrankheiten beseitigen«
Schlechte Vorträge leiden fast immer an denselben Kinderkrankheiten. Manches fehlt schon, bevor der Vortrag überhaupt startet. Oft fehlt die Verbindung zum Publikum. Es gibt zu wenig Struktur und zu viele Medien. Dazu kommen Sätze, die nie hätten fallen sollen („Mein Hund ist krank“, „Ich bin ein schlechter Redner“), und eine Präsenz, die mehr verrät als jedes Wort.
Dieser Wirkhebel ist Prophylaxe. Wir nehmen die häufigsten Fauxpas auseinander, und zu jedem gibt es andere Wege. Ehrlicherweise haben wir mehr Fehler gefunden, als zwischen zwei Buchdeckel passen.
3. Persönlichkeit als Erfolgsfaktor: »Wie du wirklich ein großer Redner wirst«
Warum hören wir manchen Menschen gern zu, obwohl sie „nur“ über Fachthemen sprechen, und anderen nicht, obwohl sie (fast) alles richtig machen? Die Antwort liegt weniger in der Technik als vielmehr in der Person. Deine Persönlichkeit ist der wichtigste Wirkhebel überhaupt.
In diesem Kapitel verraten wir auch das gut gehütete Geheimnis aller großen Redner. Nur so viel vorab: Es hat nichts mit Talent zu tun.
4. Dramaturgie, Humor und Pannen gezielt nutzen: »Effekte und Co.«
Menschen erinnern sich an Überraschungen und nicht an Aufzählungen. Deshalb geht es im vierten Wirkhebel um Dramaturgie und um Effekte, die wirken: die gezielte Übertreibung, das Spiel mit Pannen, Humor als Türöffner und Irritation bis hin zur Provokation. Du musst nicht alles davon umsetzen: Suche dir die Effekte aus, die zu dir passen und dir auch Spaß machen. Dazu kommt die Kraft, Worte beim Wort zu nehmen, und die Inszenierung, bei der ein Thema eine Bühne bekommt.
Ein Gedanke daraus: Pannen passieren uns allen mal. Wenn dir mal eine Panne passiert, verstecke sie nicht, sondern bau sie ein. Das Publikum erinnert sich gern auch an solche Momente, in denen etwas schiefging und wie du souverän damit umgegangen bist. Das ist viel besser als die 47. Folie!
5. Mit Geschichten überzeugen: »Storytelling – Warum Menschen Geschichten lieben«
Geschichten sind die Essenz jedes Vortrags. Hier werden Informationen bedeutsam, aus Zuhörern werden Beteiligte. Hier steht drin, was gute Geschichten ausmacht und wie sie ein Publikum verführen können – im besten Sinne. Es geht hier um viel mehr als die Heldenreise, den Pixar Pitch oder narrative Strategien. Wie Storytelling speziell in der Wissenschaft funktioniert, zeige ich auch in meinem Training „Science Storytelling“.
6. Präsentieren ohne Slides: »Methoden ohne PowerPoint«
Es muss nicht immer Standard sein. Dieser Wirkhebel trägt deutlich Barbaras Handschrift. Sie macht Fachinhalte seit vielen Jahren „merk-würdig“, also des Merkens würdig.
Hier findest du 18 Methoden, die ganz ohne Folien auskommen, von der Wäscheleine über die TV-Show bis zum Fensterputzer. Keine davon ist Selbstzweck. Immer geht es darum, wie dein Wissen im Kopf und im Herzen deines Publikums ankommt.
7. Vom Science Pitch bis zur Keynote: »Die Best Practices der Vortragsformate«
Das ist mein persönliches Lieblingskapitel, denn hier wird aus Theorie Praxis. Wir zeigen dir anhand von sechs ausgewählten Vortragsformaten mit konkreten Regieanweisungen, wie Dramaturgie Schritt für Schritt funktioniert. Eines davon ist ein Science Pitch für die Forschungsförderung mit dem Titel „Woher kommt der Staub?“ Am Ende des Beispiels steht ein Satz, der diesen Abschnitt zusammenfasst:
„Ein erfolgreicher Science Pitch erklärt nicht nur Forschung. Er macht aus einer wissenschaftlichen Frage eine Geschichte, deren Fortsetzung die Jury ermöglichen möchte.“
Auch die Business-Präsentation, die Keynote, den Online-Vortrag, den Tagungs-Vortrag und die Disputation stellen wir beispielhaft dar. Es geht nicht darum, sein Wissen zu zeigen. Es geht darum, beim anderen eine konkrete Handlung auszulösen.
Meine Disputation, 17 Jahre später: Wie würde ich heute meine Doktorarbeit verteidigen?
Dieses Kapitel hat mich wirklich ins Schwitzen gebracht: Würde ich heute nochmal meine Disputation haben, wäre sie dann anders? Ganz ehrlich: Deutlich anders. Damals habe ich getan, was fast alle Doktoranden tun. Ich habe etliche Fakten aneinandergereiht, sauber und korrekt, aber ohne Spannungsbogen, ohne Dramaturgie. Heute würde ich überraschende Wendungen und mehr persönliche Anekdoten einbauen und die Prüfer aktiv in den Vortrag einbinden, schon vor der folgenden Diskussion.
Die Vorlage dafür findest du in unserem Buch. Das Original-Vortragsbeispiel steht in unserer digitalen Playbox – mit der Dramaturgie und den Wendepunkten, die ich damals noch nicht im Blick hatte.
Was nicht ins Buch gepasst hat: Die digitale Playbox
Wer schon Bücher geschrieben hat, kennt diesen Moment: Das Manuskript ist fertig, der Abgabetermin steht, und man könnte noch hundert Seiten weiterschreiben. Weitere Fauxpas, warum Authentizität, Präsenz und viele weitere Aspekte wichtig sind, welche Ausreden uns davon abhalten, künftig noch besser zu präsentieren, wie du Pannen erfolgreich drehen kannst (was machst du, wenn etwa Beamer und Mikrofon ausfallen?), wie Humor als Türöffner wirken kann. Dies und manches mehr findest du in unserer digitalen Playbox, zum Download beim Verlag BusinessVillage.
Mein erklärtes Lieblingskapitel «Die Best Practices der Vortragsformate» findet hier seine Fortsetzung. Hier wird die Dramaturgie jedes Vortragsformats klar. Hier findest du unsere persönlichen Beispiele zu Vorträgen, die wir so oder ähnlich bereits gehalten haben – oder wie wir sie heute halten würden.
Buch oder Playbox? Du bekommst beides in einem.
Wahrscheinlich würde unser Buch nie fertig werden, weil Barbara und ich immer wieder neue Ideen haben. Genau wie ein guter Vortrag: Hältst du ihn ein zweites Mal, ist das Publikum ein anderes und oft auch der Kontext. Zwei identische Vorträge hält niemand, dem an wirklich guten Vorträgen gelegen ist.
Funken statt Folien: Worum es am Ende geht
Das letzte Kapitel zeigt, dass es um mehr als reine Wissensvermittlung geht. Es geht darum, dass dein Publikum vom ersten Moment an dabei ist. Es darf deinen Vortrag als Gespräch erleben – nicht als Pflichttermin mit einer Unterrichtseinheit. Und du sprichst selbst mit Begeisterung, statt nur Wissen zu präsentieren.
Deshalb gebe ich dir an dieser Stelle doch nochmal einen Appell: Halte deinen letzten langweiligen Vortrag! Und dann schau ins Publikum und achte darauf, was es tut, wenn wirklich etwas zündet! Unser Motto dafür: Wenn nichts passiert, war es kein Vortrag.
Häufige Fragen zu „Wissen, das zündet“
Worum geht es in „Wissen, das zündet“?
Das Buch zeigt, wie Vorträge und Präsentationen in Wissenschaft und Business ihr Publikum erreichen, statt nach wenigen Minuten vergessen zu werden. Es verbindet Dramaturgie, Inszenierung und Storytelling mit konkreten Praxisbeispielen.
Für wen ist das Buch geschrieben
Für alle, die Fachwissen vor Publikum bringen: Forschende, Doktorandinnen und Doktoranden, Führungskräfte, Trainerinnen und Trainer sowie Speaker.
Was ist die digitale Playbox?
Die Playbox ist ein kostenloses Zusatzangebot zum Download beim Verlag BusinessVillage. Sie enthält weitere Präsentationsfehler, Tipps zum Umgang mit Pannen und zusätzliche Vortragsbeispiele.
Wer sind die Autoren?
Barbara Messer, CSP, Horizonautin, ist international ausgezeichnete Rednerin, Autorin und Trainerin. Sie vereint Fachwissen mit Herz. Ihre Vielfalt inspiriert Menschen – klug, kreativ und grenzenlos.
Dr. Stephen Wagner ist promovierter Naturwissenschaftler, Trainer und Speaker für Science Pitch und Präsentationen und Vizepräsident sowie Leiter der Fachgruppe Speakers Corner des BDVT – dem Berufsverband für Training, Beratung und Coaching. Er hat in 13 Ländern auf sechs Kontinenten gesprochen und trainiert.
Wo gibt es das Buch?
Wissen, das zündet – Der letzte langweilige Vortrag“ von Barbara Messer und Dr. Stephen Wagner ist am 17. September 2026 bei BusinessVillage erschienen. Hier kannst du „Wissen, das zündet“ bestellen.
Und jetzt? Wissen raus aus der Blackbox.
Wenn Sie Ihre Vorträge so gestalten möchten, dass nicht nur Inhalte ankommen, sondern wirklich etwas passiert, dann bleiben Sie gern mit mir in Kontakt.
Auf LinkedIn teile ich regelmäßig Impulse rund um Science Pitch, Präsentationen, Storytelling und wirkungsvolle Wissenschaftskommunikation.
→ Dr. Stephen Wagner auf LinkedIn folgen
Und wenn Sie tiefer einsteigen möchten: „Wissen, das zündet – Der letzte langweilige Vortrag“ von Barbara Messer und mir ist jetzt erhältlich.
Denn am Ende gilt für mich immer noch:
Wenn nichts passiert, war es kein Vortrag.